Das Geheimnis des Göttinger Waldes liegt im Untergrund: Muschelkalk. Vor mehr als 200 Millionen Jahren war hier Meeresboden und die Ablagerungen unzähliger Kalkgehäuse der im Meer lebenden Tiere bilden heute das Grundgestein.

Blütenpracht im Frühjahr

Und der aus diesem Gestein entstehende Boden ist äußerst nährstoffreich. In diesem Boden gedeihen nicht nur zahlreiche Baumarten prächtig, sondern auch jede Menge krautige Pflanzen. Vor allem im zeitigen Frühjahr, kurz bevor die Bäume ihr Laub austreiben, ist der Waldboden bedeckt von Blütenteppichen: Märzenbecher, Leberblümchen, Buschwindröschen, Bingelkraut, Bärlauch und viele mehr vertreiben das triste Grau des Winters mit leuchtenden Farben.

Der Wald ist erst 120 Jahre alt

Der zentrale Bereich des Göttinger Waldes ist ein Plateau welches leicht nach Osten bis auf rund 400 Meter Höhe aufsteigt und an einer jähen Abbruchkante endet. Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren diese Höhenzüge weitgehend waldfrei, bedeckt von Gebüsch, Weiden und einzeln stehenden Bäumen. Um 1890 wurde der Wald dann großflächig aufgeforstet und es entstand der heute dominierende Buchenwald. Es sind also Buchen der ersten Generation, die jetzt, im besten Alter und mit einer Wuchshöhe um die 30 Meter, den Charakter des Göttinger Waldes bilden.

Aber nicht nur der Wald ist menschengemacht. Bis 1992 befand sich im Zentrum des Muschelkalkplateaus ein etwa 200 Hektar großer Truppenübungsplatz, das Kerstlingeröder Feld. Heute ein Naturschutzgebiet, ist es Heimat seltener Pflanzen, die sich in der rund 600-jährigen Nutzungsgeschichte dort angesiedelt haben. Der offene Charakter wird durch Pflegemaßnahmen wie regelmäßige Mahd und Schafbeweidung erhalten.

Im nördlichen Teil des Plateaus liegen weitere anthropogene Lebensräume:

  • das Sengerfeld mit einer in den 1990er Jahren neu angepflanzten Streuobstwiese,
  • der Tripkenpfuhl, ein Wiesenteich, mittlerweile stark verlandet,
  • ein Erlenbruch in dem sich im Frühjahr bis zu eintausend Grasfrösche zum Laichen einfinden.

Freizeitareal und Naturraum

Der Göttinger Wald ist das wichtigste Naherhohlungsgebiet der Stadt. Unzählige Wege und Pfade durchziehen den Forst, Spaziergänger, Jogger, Reiter und Mountainbiker bilden bisweilen regelrechte Verkehrsstaus. Abseits der Wege bleibt der Wald aber weitgehend ungestört und auch die Forstwirtschaft hat sich auf natürliche Waldverjüngung umgestellt und lässt in vielen Bereichen Totholz und umgestürzte Bäume liegen.

Entscheidend für das Miteinander von Mensch und Natur ist aber die Größe des Göttinger Waldes. 1600 Hektar bieten Platz genug für erholungsbedürftige Städter, zumal sich der Zulauf auf die westliche Hälfte diesseits des Kerstlingeröder Feldes konzentriert – hier schließt sich der Wald direkt an die Stadt an und ist auch mit dem Auto gut zu erreichen.

Literatur

Der Stadtwald Göttingen: Ein Modell mit Zukunft
Klimaschutz, Biodiversität und Erholung im Fokus
Abschlussbericht der Sonderinventur im Göttinger Stadtwald – Greenpeace 2013