Der Göttinger Kiessee ist ein 15 ha großer See am südwestlichen Stadtrand. Der aus einem Kiessabbau entstandene See ist mittlerweile eines der wichtigsten Naherholungsgebiete Göttingens. Der rund 2,5 Kilometer lange Uferweg erfreut sich zu allen Jahreszeiten bei Joggern, Spaziergängern und Anglern großer Beliebtheit. Es gibt einen Bootsverleih, einen Trainingsbereich für Kanu-Polo, ein Restaurant und mehrere Bootshäuser örtlicher Wassersportvereine. Bei geeignetem Wetter schwimmen Segelboote auf dem See und ein- bis zweimal jährlich werden Ruderwettbewerbe ausgetragen. Die direkt angrenzenden Wiesen sind beliebte Picknickplätze. Am Ostufer befindet sich ein Kinderspielplatz. Im südlichen Teil befindet sich die sogenannte „Vogelinsel“, die dicht mit Bäumen bestanden ist und nicht betreten werden darf.

Ökologie

Der See ist nur ein bis zwei Meter tief und infolge dessen von Algenblüten und beschleunigter Verlandung bedroht. Um eine bessere Frischwasserversorgung zu erreichen, wurde im Jahr 2003 ein Zulauf gebaut, der Wasser aus dem östlich des Sees verlaufenden Fluss Leine in den See leitet. Aus ökologischer Sicht ist diese Maßnahme jedoch kompletter Unsinn, da im Einzugsgebiet der Leine durch intensive Landwirtschaft große Mengen an Dünger in den Fluss geschwemmt werden und diese Nährstoffe die Verlandung des Kiessees noch beschleunigen. Besonders in warmen Frühsommern wird der Zufluß deshalb verringert oder sogar geschlossen.

Südlich des Kiessees schließen sich die Leineauen an. Dieser ehemals naturnahe, weite Bereich an beiden Leineufern besteht heute aus weitgehend ausgeräumten Flächen intensiver Landwirtschaft. 2 km südlich des Kiessees befindet sich ein weiteres Kiessabbaugebiet, welches teilweise stillgelegt, teilweise noch in Betrieb ist.

Tierarten am Kiessee Göttingen

Trotz der geringen Größe und der intensiven Nutzung zu Freizeit- und Erholungszwecken ist der Kiessee Brutgewässer für mehrere Vogelarten und dient wärend der Zugzeit vielen Arten als Zwischenstopp. Grund dürfte der Mangel an Gewässern in der gesamten Region Südniedersachen/Nordhessen sein und die Lage des Sees am Stadtrand.

Brutvögel:

  • Stockente
  • Höckerschwan
  • Blässhuhn
  • Teichhuhn
  • Haubentaucher
  • Graugans
  • Teichrohrsänger
  • Graureiher (im Biotopverbund mit dem Levinschen Park)
  • Eisvogel (Jagdrevier, Bruthöhle befindet sich in einer benachbarten ehemaligen Tonkuhle)

regelmäßige Zuggäste:

  • Silberreiher
  • Kormoran
  • Reiherente
  • Gänsesäger
  • Zwergtaucher

2012 rastete sogar ein Rallenreiher für 10 Tage am See: Kleine Reiher im Göttinger Süden.

Natürlich leben im Kiessee zahlreiche Fische sowie mindesten ein halbes Dutzend Exemplare der Rotwangen-Schmuckschildkröte, vermutlich Nachfahren von ausgesetzten Tieren.

Wildtiere haben sich an den Menschen gewöhnt

Der Kiessee ist klein und praktisch immer ist irgendwo ein Mensch in der Nähe. Die Tiere haben sich an diese Nähe gewöhnt und einen großen Teil ihrer sonstigen Scheu verloren. Blässrallen und Haubentaucher brüten nur wenige Meter vom Uferweg entfernt. Graugänse grasen auf den Wiesen zwischen Picknickdecken. Mit dem Boot kann man sich Enten, Schwänen, Haubentauchern und Blässhühnern auf dem Wasser bis auf wenige Meter nähern.

Wer sich achtsam verhält und die – verringerte aber dennoch vorhandene – Fluchtdistanz der Tiere respektiert, hat ausgezeichnete Beobachtungs- und Fotomöglichkeiten.