Nur wenige Meter vom Uferweg entfernt hat ein Paar Haubentaucher (Podiceps cristatus) sein Nest gebaut. Während bereits einige Küken geschlüpft sind, liegen noch weitere Eier im Nest und müssen bebrütet werden. Daher ist die Familie weiterhin ans Nest gebunden und lässt sich wunderbar beobachten.
Beim Brüten wechseln sich die Alttiere im Rhythmus von etwa einer Stunde ab. Das jeweils andere Tier geht dann auf Nahrungssuche und füttert die wenige Tage alten Küken mit Insekten und kleinen Fischen. Häufig werden auch Federn gefüttert, die wohl vor allem die für die Ausbildung des eigenen Gefieders erforderlichen Mineralstoffe liefern.

Reizthema „Nestfotografie“

Nestfotografie sollte normalerweise vermieden werden, da es leicht zu Störungen kommen kann, die den Bruterfolg gefährden.
Hier aber liegt das Nest kaum 10 Meter entfernt von einem Uferweg in einem als Naherholungsgebiet stark genutzten See. Der Uferweg wird ständig von Spaziergängern, Joggern, Radfahrern usw. genutzt – und eben auch von Naturfotografen. Auf dem Wasser tummeln sich Tret- und Paddelboote.
Die Tiere haben sich daran gewöhnt und sich auch beim Nestbau für die unmittelbare Nähe zum Menschen entschieden. Dieses Paar hat zum Zeitpunkt der Aufnahme mehrere geschlüpfte Küken und weitere, noch bebrütete Eier im Nest.
Am Göttinger Kiessee ist dieses Verhalten seit etlichen Jahren die Regel. Hier lassen sich Haubentaucher, Blässrallen, Graureiher und Graugänse aus nächster Nähe beobachten. Ein meist gut funktionierendes Miteinander von Menschen und Wildtieren. Siehe auch Rückkehr der Wildnis.

Sport vs. Naturschutz

Für ihren Nestbau hatte sich das Haubentaucherpaar einen umgestürzten Weidenstamm ausgesucht, der vom Ufer aus knapp 10 Meter in den See hineinragte. Am 24./25. Mai 2014 fand dann die 34. Göttinger Kiesseeregatta statt, ein landesweiter Ruderwettbewerb. Den Veranstaltern war der in den See hineinragende Ast wohl im Weg und er wurde wenige Tage vor dem Sportereignis kurzerhand beseitigt.

Zwar waren zu diesem Zeitpunkt alle 5 Küken geschlüpft, jedoch bildet das Nest für die Kleinen und ihre Eltern in den ersten ein bis zwei Wochen noch immer einen wichtigen Schutz- und Rückzugsort, von dem sie sich nur wenig entfernen. Eine Woche nach der Zerstörung des Nests war von den 5 geschlüpften Küken nur noch eines am Leben.

Kommentare

  1. Daniel Jakli sagt:

    Was war das denn für ein Vogel bei Minute 3:10?

    1. Dirk Pfuhl sagt:

      Ich bin mir nicht 100% sicher, halte das aber für einen Flussuferläufer der auf dem Durchzug am Kiessee Rast gemacht hat.

  2. Daniel Jakli sagt:

    Hallo Herr Pfuhl,

    sie haben hier eine sehr spannende Seite. Bin immer wieder beeindruckt, was man in Göttingen und Umgebung alles sehen kann.
    Besonders interessiert mich die Wasseramsel. Leider hatte ich bis jetzt kein Glück. Meinen Sie, die Wasseramesl ist auch jetzt am Levinpark zu sehen, oder kommt sie eventuell erst wieder im Frühjahr zum Brüten?

    Beste Grüße
    Daniel J.

    1. Dirk Pfuhl sagt:

      Eigentlich bleiben die Vögel auch im Winter in ihrem Revier, sind dann dort aber nicht so leicht zu beobachten. Während der Brutsaison konzentriert sich die Aktivität auf die nähere Umgebung des Nestes, außerhalb davon fliegen und rasten sie irgendwo innerhalb ihres Gewässerabschnitts. Bleibt jetzt im Winter also nur geduldiges beobachten!

  3. lieber dirk,
    ich gratuliere dir herzlich zu deinem neuen stadt-natur-wildnis projekt. ich schätze sehr deine fachliche kompetenz und deine beschreibende und nicht wertende art, wie du die begegnung der menschen mit den tieren darstellst.
    ich wünsche dir und deinem projekt, das möglichst viele göttinger den „klick“ auf deine seite finden.
    weiterhin viel erfolg wünscht
    reiner

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