Immer wieder springt der kleine Vogel kopfüber vom Ufer ins strömende Wasser, taucht unter und schwimmt unter Wasser. Luftblasen zerplatzen an der Wasseroberfläche und lassen erahnen, wo das Tier gerade taucht. Dann erscheint der Kopf wieder und das Tier flattert direkt aus dem Wasser zurück ans Ufer.

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Wasseramseln haben sich darauzf spezialisiert am Gewässergrund nach Insektenlarven und Weichtieren zu suchen. In kühlen, schnellfließenden und sauerstoffreichen Bächen leben eine Vielzahl von Köcherfliegen-, Eintagsfliegen- und Steinfliegenlarven sowie Egel und Flohkrebse. Sie sitzen an und unter Steinen und die Wasseramsel pickt sie bei ihren Tauchgängen geschickt mit ihrem Schnabel auf. Die Spezialisierung auf diese Nahrung und den damit verbundenen Lebensraum hat große Vorteile: solche Bäche frieren auch im Winter nur sehr selten zu und die Nahrungstiere sind das ganze Jahr über in großer Zahl verfügbar.

Die Grone ist nun aber eigentlich kein typisches Wasseramsel-Revier. Der Bach fließt auf seiner ganzen Länge durchs dicht bebaute Göttinger Stadtgebiet, ist seit Jahrzehnten kanalisiert, wird von zahlreichen Straßen überquert und verschwindet auch schon mal für hundert Meter in einer Unterführung. Nur am Rande des Levinschen Parks und dort, wo der Bachlauf den Hagenberg umrundet und schließlich in die Leine mündet, säumt ein geschlossener Grünstreifen die Ufer.

Den Wasseramseln scheint das zu reichen. Vermutlich in der Bachunterführung unter der Levinstraße hat ein Paar sein Nest gebaut. Jetzt, Ende April, sind die Jungen offenbar schon so groß, dass beide Altvögel gemeinsam auf Nahrungssuche gehen müssen, um den Nachwuchs satt zu bekommen. Wer vom Weg zwischen Levinschem Teich und Grone den Bachlauf beobachtet, kann die Tiere im Abstand von wenigen Minuten den Bach entlangfliegen sehen. Dort wo ein paar Steine oder auch Schwemmholz kleine Strömungshindernisse bilden, starten sie vom Ufer aus zu ihren Tauchgängen. Nach einem halben Dutzend Sprüngen ins Wasser haben sie den Schnabel voll mit Beute und fliegen zurück zum Nest.

Nach gut 4 Wochen verlassen die ersten Jungvögel das sichere Nest und beginnen mit ersten Erkundungen des Bachlaufs. Die Altvögel begleiten sie dabei und füttern sie Anfangs weiterhin, bis es die Jungen schließlich selbst glernt haben.

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Kommentare

  1. Daniel Jakli sagt:

    Was war das denn für ein Vogel bei Minute 3:10?

    1. Dirk Pfuhl sagt:

      Ich bin mir nicht 100% sicher, halte das aber für einen Flussuferläufer der auf dem Durchzug am Kiessee Rast gemacht hat.

  2. Daniel Jakli sagt:

    Hallo Herr Pfuhl,

    sie haben hier eine sehr spannende Seite. Bin immer wieder beeindruckt, was man in Göttingen und Umgebung alles sehen kann.
    Besonders interessiert mich die Wasseramsel. Leider hatte ich bis jetzt kein Glück. Meinen Sie, die Wasseramesl ist auch jetzt am Levinpark zu sehen, oder kommt sie eventuell erst wieder im Frühjahr zum Brüten?

    Beste Grüße
    Daniel J.

    1. Dirk Pfuhl sagt:

      Eigentlich bleiben die Vögel auch im Winter in ihrem Revier, sind dann dort aber nicht so leicht zu beobachten. Während der Brutsaison konzentriert sich die Aktivität auf die nähere Umgebung des Nestes, außerhalb davon fliegen und rasten sie irgendwo innerhalb ihres Gewässerabschnitts. Bleibt jetzt im Winter also nur geduldiges beobachten!

  3. lieber dirk,
    ich gratuliere dir herzlich zu deinem neuen stadt-natur-wildnis projekt. ich schätze sehr deine fachliche kompetenz und deine beschreibende und nicht wertende art, wie du die begegnung der menschen mit den tieren darstellst.
    ich wünsche dir und deinem projekt, das möglichst viele göttinger den „klick“ auf deine seite finden.
    weiterhin viel erfolg wünscht
    reiner