Anfang Juni sind in fast allen Nestern Jungtiere geschlüpft. Dabei sind die Küken nicht nur von Nest zu Nest unterschiedlich alt und groß, auch innerhalb eines Nestes können die Unterschiede in der Entwicklung der Geschwister beträchtlich sein. Die größten Jungtiere sind bereits kaum kleiner als ihre Eltern und lediglich durch das noch nicht ausgefärbte Gefieder und den grauen Oberschnabel von ihnen zu unterscheiden. Schon werden regelmäßig die Flügel geschlagen, um die Muskulatur zu trainieren. Die jüngeren Küken sind nicht nur an ihrer geringeren Körpergröße zu erkennen. Sie tragen auch, gut sichtbar, einen „Irokesenschnitt“ aus struppig aufrecht stehenden schwarzen Federn auf dem Kopf.

Es sind die ersten richtig warmen Tage. Früh morgens genießen die Tiere noch die Morgensonne und lassen sich mit halb ausgebreiteten Flügeln von deren Strahlen die Kühle der Nacht aus dem Körper treiben. Im Tagesverlauf wird die Hitze dann aber drückend und die hoch gelegenen Nester sind der prallen Sonne ungeschützt ausgesetzt. Es ist nun an den Alttieren, ihre Brut vor Überhitzung zu schützen. Unter ihren ausgebreiten Schwingen findet sich ein wenig kühlender Schatten. Ansonsten hilft nur stetiges Hecheln.

Die meisten Paare der Kolonie hatten im Februar und März zwar zunächst die alten Nester im Geäst der Weide inmitten des Teichs besetzt. Nach und nach wurden dann aber in den umliegenden Bäumen im Uferbereich neue Nester gebaut. Vielleicht teilen die Tiere ja die Einschätzung des Göttinger Ornithologen Hans-Heinrich Dörrie, dass der Brutbaum kurz vor dem Zusammenbruch steht und wollten lieber auf Nummer sicher gehen. Vielleicht wurde es ihnen aber auch einfach zu eng. Nur zwei Paare sind geblieben und ziehen ihre Jungen in der alten Weide groß.

Auch wenn die Eier ausgebrütet und die Jungen geschlüpft sind, an den Nestern wird weiter gebaut und ausgebessert. Und die verlassenen Nester in der Weide dienen dabei als willkommene Materiallager und werden weidlich ausgeschlachtet – nicht immer ohne Protest der Anlieger.

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