Ein Buntspecht-Paar (Dendrocopos major) hat sich in einer Weide am kleinen Teich des Levinschen Parks in diesem Frühjahr eine Nisthöhle angelegt. Kaum 3 Meter hoch und nur 6 Meter vom Ufer entfernt lässt sich das Treiben am Eingang der Höhle optimal beobachten. Wenn die Sonne sich zeigt, scheint sie ab 18:00 Uhr sogar direkt auf die Szenerie – ein besseres Geschenk wird einem Naturfotografen selten zuteil.

Ein Freund macht mich auf das Nest aufmerksam, da sind die Jungen schon über 3 Wochen alt. Schon von weitem verraten sich die Nestlinge durch ein durchdringendes, pausenloses Gezwitscher und im 10-Minuten-Takt fliegen jetzt die beiden Altvögel abwechselnd die Nisthöhle an, im Schnabel eingeklemmt zahlreiche Insekten aus den umliegenden Bäumen.

Bei meinen ersten Beobachtungen bleiben die Jungvögel noch unsichtbar in der Höhle. Der Altvogel klammert sich am Rand des Eingangs fest, steckt den Kopf in die Höhle und füttert seine Jungen. Sind alle Insekten verfüttert, kriecht der Altvogel zu ihnen ins Nest und taucht wenige Minuten später wieder auf, den Schnabel gefüllt mit „Hausmüll“ in Form von Nahrungsresten, Kot und allem, was sich sonst so in der Kinderstube ansammelt. Der Müll wird beim Abflug mitgenommen und irgendwo unterwegs fallen gelassen.

So geht es den ganzen Tag: Die Küken zwitschern, die Alten suchen in den umliegenden Bäumen nach Nahrung, fliegen das Nest an, füttern die Jungen und transportieren deren Hinterlassenschaften wieder ab.

Eine Woche später. Auf den ersten Blick hat sich am Treiben nichts geändert. Doch dann erscheint ein rot-beschopftes Jungtier im Eingang der Nisthöhle und lugt vorsichtig hinaus. Die Jungen sind jetzt schon fast so groß, wie ihre Eltern und wagen ihre ersten Blicke in die Welt außerhalb der sicheren Höhle.

Die Alttiere müssen nun nicht länger den Kopf in die Höhle stecken, die Küken nehmen ihnen gierig schon am Eingang die mitgebrachten Insekten aus dem Schnabel. Ich kann nicht unterscheiden, wie viele Küken sich im Nest befinden, vielleicht ist es sogar nur ein einziges.

Wenige Tage später, es ist Ende Mai, sehe ich die Spechte zum letzten Mal. Zwei Tage später ist die Höhle verlassen, den Auszug der Jungtiere habe ich leider verpasst. Aber vielleicht wird die Höhle ja im nächsten Jahr erneut von Spechten bezogen.

Noch ein Wort zum Reizthema „Nestfotografie“. Auch hier, wie bei allen Berichten über Beobachtungen und Fotoaufnahmen in diesem Blog, achte ich sorgfältig darauf, die Tiere nicht zu stören. Dieses Buntspecht-Paar hat sich entschieden, sein Nest in unmittelbarer Nähe eines Spazierweges inmitten eines stark besuchten Parks zu bauen. Für meine Foto- und Videoaufnahmen muss und kann ich den Tieren nicht näher rücken, als es viele andere Menschen den ganzen Tag über auch tun. Der Nistbaum steht auf einer Insel gut 6 Meter vom Ufer entfernt. Dieser „Wassergraben“ gibt den Buntspechten ganz offensichtlich genügend Sicherheit, so dass sie sämtliche Spaziergänger, Beobachter und Naturfotografen komplett ignorieren.

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